MAZ – Multimedia Diplomarbeit

 

Leistungssport – Nicht ohne das richtige Umfeld

 

Sarina Künzler ist 17 Jahre alt. Die junge Frau aus Allschwil hat einen grossen Traum. Sie will zu den besten Schwimmerinnen der Schweiz gehören. Dafür arbeitet sie hart. 23 Stunden Training jede Woche bestimmen ihr Leben. Dinge wie Freizeit oder Ausgang spielen eine marginale Rolle.

 

Sarina Künzler
Sarina Künzler

 

Für meinen Film „Ein Leben für den Sport – Sarina Künzler zwischen Erfolg und Verzicht“ habe ich die Nachwuchsschwimmerin eine Woche lang begleitet. Der Film zeigt eine junge Frau mit beeindruckender Persönlichkeit und Einstellung. Er zeigt aber auch Sarina Künzler in einem spannenden Umfeld. Dazu gehört mit Schwester Marina eine zweite ambitionierte Schwimmerin. Das Verhältnis zwischen den beiden wird im Film angedeutet. Das gilt auch für die Rolle der Eltern. An dieser Stelle möchte ich das Umfeld von Sarina Künzler näher beleuchten. Ein Umfeld, das ihr Leben in dieser Form überhaupt erst möglich macht.

 

 

Die Eltern

Beide hatten sie vor ihren Töchtern nichts mit dem Schwimmsport zu tun. Weder Mutter Monika noch Vater Kurt.

Monika und Kurt Künzler
Monika und Kurt Künzler

Und doch waren sie es, die ihre Kinder ins Wasser gebracht haben. Ihre drei Töchter sollten früh das Schwimmen lernen. Nicht als Sport, sondern um sich rund ums Wasser sicher bewegen zu können. Der Weg führte für die drei Schwestern in den Schwimmverein. Für die älteste, Kristina, blieb das Schwimmen ein Hobby. Marina und Sarina sind heute Leistungssportlerinnen.

Ihre Eltern unterstützen sie dabei wo immer möglich. Sie holen die Töchter jeden Abend vom Training ab, fahren sie an Wettkämpfe, helfen bei Schularbeiten und sind Managerin und Manager.

 

 

Monika Künzler: „Seit sechs Jahren leben wir nach ihren Plänen“

 

 

Mittlerweile sind Monika und Kurt Künzler selber Teil der Schwimmszene. Sie fahren ihre Töchter nicht nur an die Wettkämpfe, sondern helfen dort oft auch als Freiwillige. So auch beim Heimwettkampf in Allschwil diesen Oktober. Das ganze Wochenende verbringt das Ehepaar im Hallenbad. Insgesamt rund 24 Stunden. Für Kurt und Monika Künzler sind die Einsätze als Helfer auch eine Möglichkeit, Zeit mit ihren Töchtern zu verbringen. So lange am Stück sind sie sonst nie am gleichen Ort wie die Schwimmerinnen.

 


Kurt Künzler: „Wir machen das wirklich gerne“

 

Leistungssport kostet nicht zuletzt auch Geld. Vor allem Ausrüstung, Reisen und Trainingslager sind im Schwimmsport kostspielig. Mehrere Tausend Franken können so jedes Jahr anfallen. Marina Künzler wird finanziell seit einiger Zeit von Swisslos unterstützt. Ihre Schwester Sarina nicht. Bei ihr zahlen zum grössten Teil die Eltern, die beide berufstätig sind.

 

 

Monika Künzler: „Dann gibt es halt mal weniger Ferien“

 

 

Bringt Sarina Künzler weiter ihre Leistungen, sollte auch sie bald finanzielle Unterstützung erhalten. Ihre Eltern wären dann zumindest in diesem Bereich entlastet. Im Umfeld der jungen Schwimmerin spielen sie aber auch in Zukunft die grösste und wichtigste Rolle.

 

 

 

 

 

Die Schwester

 

Kristina (23) ist die älteste Schwester von Sarina Künzler. Sie ist in der Ausbildung zur Hebamme und vor einigen Wochen von zuhause ausgezogen. Hier möchte ich aber vor allem auf das Verhältnis zwischen Sarina (17) und Marina (20) eingehen. Die beiden verbindet die gemeinsame Leidenschaft. Der Sport macht aus den Schwestern auch so etwas wie beste Freundinnen.

 

 

Marina Künzler: „Wir haben ein sehr enges Verhältnis“

 

 

Marina Künzler
Marina Künzler

Marina Künzler war lange Zeit das grosse Vorbild ihrer jüngeren Schwester. Wegen der drei Jahre Altersunterschied war sie ihr stets ein Schritt voraus. Vor zwei Jahren wurde Marina als Basler Nachwuchssportlerin des Jahres ausgezeichnet. Schon früh gewann sie Medaillen bei Schweizermeisterschaften.

Sarina konnte sich indes im Schatten der grossen Schwester entwickeln. Von Erfahrungen, die Marina gemacht hat, profitiert Sarina noch heute. Mittlerweile hängen auch in ihrem Zimmer drei Medaillen von Nachwuchs-Schweizermeisterschaften. Sarina bewegt sich jetzt auf Augenhöhe mit Marina. In drei von vier Lagen (Delfin, Rücken, Freistil) ist sie gar schon deutlich stärker. Die Domäne von Marina ist das Brustschwimmen.

So haben beide ihre Spezialitäten und wollen daher von einem Konkurrenzdenken nichts wissen. Die beiden unterstützen sich gegenseitig und mögen sich die jeweiligen Erfolge gönnen. Das hilft beiden. Schliesslich verbringen sie so viel Zeit miteinander wie mit sonst niemandem.

 

 

 

 

 

Der Trainer

 

Mit Tobias Gross als Trainer hat Sarina Künzler den Sprung an die nationale Spitze geschafft. Drei Medaillen bei Nachwuchs-Schweizermeisterschaften resultierten bisher aus der Zusammenarbeit. Sie seien ein sehr gutes Team, sagt die junge Schwimmerin über sich und ihren Trainer. Ein Team, das zusammen noch viel erreichen könne und möchte.

Als Trainer ist Tobias Gross bei weitem nicht nur sportlich gefordert. Weil der Schwimmsport extrem trainingsintensiv ist, verbringt er bis zu zwanzig Stunden pro Woche mit seinen Athleten. Ein gutes zwischenmenschliches Verhältnis ist unabdingbar. Tobias Gross ist oft die erste Ansprechperson, vor allem für jüngere Schwimmerinnen und Schwimmer.

 


Tobias Gross: „Aktuelle Themen besprechen wir oft im Training“

 

Den Draht zu Sarina Künzler hat Tobias Gross schnell gefunden. Spricht man die junge Frau auf ihren Trainer an, gerät diese regelrecht ins Schwärmen. Lauscht man ihren Worten, könnten diese genau so gut auch einem besten Freund gewidmet sein.

 

 

Sarina Künzler: „Ich vertraue ihm all meine Geheimnisse an“

 

 

Nicht zuletzt wegen Tobias Gross fühlt sich Sarina Künzler wohl im Training. Damit hat der Trainer einen grossen Anteil an der Entwicklung der jungen Schwimmerin. Denn, so sagt Sarina Künzler, mit einem anderen Trainer könnte sie sich den enormen Trainingsaufwand kaum vorstellen.

Das Vertrauen zum Trainer wurde diesen Frühling noch einmal gestärkt. Nach einer achtwöchigen Verletzungspause (Sarina Künzler brach sich bei einem Sturz von der Treppe einen Wirbel) wurde die Zeit knapp bis zu den Nachwuchs-Schweizermeisterschaften. Tobias Gross setzte alles auf eine Karte und stellte das Programm komplett um. Er legte das Training voll auf die kurzen Distanzen aus, machte aus Sarina Künzler eine Sprinterin. Das Resultat: Ein dritter Platz über 50 Meter Delfin. Und das direkt beim Comeback.

 

 

 

 

 

Die Schule

 

Trotz 23 Stunden Training jede Woche ist Sarina Künzler weit weg davon, sich voll und ganz auf den Sport konzentrieren zu können. Vom Schwimmen leben, das können auf der ganzen Welt nur die Allerbesten. Eine gute Ausbildung ist für die junge Frau darum genau so wichtig wie ihr Sport.

Aus diesem Grund besucht die 17-Jährige das Gymnasium. Genauer gesagt die Sportklasse am Gymnasium Bäumlihof in Basel. Dort trifft sie ideale Bedingungen an. Als Schülerin der Sportklasse hat sie weniger Unterricht als normale Gymnasiasten. Zwei Mal in der Woche kann sie so zusätzliche Trainings einschieben. Ausserdem kann sie die Krafttrainings direkt vor Ort absolvieren. Die Schule hat dafür einen eigenen Kraftraum. Das spart Zeit.

Sämtliche Klassenkameraden von Sarina Künzler sind ebenfalls Leistungssportler. Ein weiterer Vorteil. Die jungen Menschen verstehen sich. In schwierigen Situationen oder intensiven Zeiten helfen sie sich gegenseitig.

Das Verständnis kommt aber nicht nur von den Mitschülern, sondern auch von den Lehrern. Ein weiteres wichtiges Puzzleteil.

 

 

Sarina Künzler: „Die Lehrer machen kein Drama wenn ich mal fehle“

 

 

Betreut werden die Schülerinnen und Schüler der Sportklasse am Gymnasium Bäumlihof von Benjamin Steffen. Ein weiterer wichtiger Faktor. Denn Benjamin Steffen ist nicht nur Lehrer, sondern selber auch Leistungssportler. Der 33-jährige gehört zu den besten Fechtern der Welt. Ihm muss Sarina Künzler detailliert aufzeigen, wann sie wo und wie viel trainiert. Steffen hilft, Sport und Ausbildung zu koordinieren und weiss dabei genau wovon er spricht. Von seiner Erfahrung profitiert auch Sarina Künzler.

Läuft alles nach Plan, hält Sarina Künzler in gut zwei Jahren ihr Maturzeugnis in den Händen. Die Zeit in der Sportklasse ist dann vorbei. Ein Studium soll folgen. Dieses mit dem Sport zu koordinieren, wird eine ganz neue Herausforderung darstellen.

 

 

 

 

Sarina Künzler gehört zu den besten Nachwuchsschwimmerinnen der Schweiz. Dies verdankt sie ihrem enormen Ehrgeiz und einer eisernen Disziplin. Denn ohne diese Eigenschaften würde sie nicht jeden Tag hart an sich arbeiten.

Jeder Ehrgeiz und jede Disziplin führte aber nicht zum Erfolg, gäbe es nicht das hier gezeigte Umfeld. Als Schwimmerin mag Sarina Künzler per Definition eine Einzelsportlerin sein. Als solche ist sie aber keineswegs auf sich alleine angewiesen.

 

 

– Eine Arbeit von Florian Künzi –